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Die Informationsseite für alle engagierten Ökumeniker

25. April 2012

Wichtige ökumenische Gespräche in Rom

Am 28. Februar führten Vertreter deutscher und skandinavischer lutherischer Bruderschaften und Gemeinschaften, begleitet von einigen katholischen Freunden, darunter der Bund für evangelisch-katholische Einheit, der Bund für christliche Einheit und die St. Jakobus-Bruderschaft, offizielle Gespräche mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen und (erstmals!) der Kongregation für die Glaubenslehre in Rom. Das ist ein bedeutender ökumenischer Durchbruch. Dazu wurde im Juni 2010 im Rahmen eines von uns veranstalteten theologischen Kolloquiums in Bamberg die internationale „Evangelisch-Katholische Gemeinschaft Augustana“ (EKGA) / zu Post 9

 

„Evangelical-Catholic Communion Augustana“ (ECCA) gegründet. Ihr Ziel ist die Versöhnung mit dem Bischof und der Kirche von Rom. Die meisten teilnehmenden Gemeinschaften wollen ungeachtet aller Differenzen ihre Landeskirchen (wenigstens jetzt noch) nicht verlassen, sich aber auch der Autorität und Verantwortung des Bischofs von Rom und seines Petrusdienstes anvertrauen und erwarten die Anerkennung ihrer apostolischen Weihen. Wichtig und sehr konkret war das Gespräch mit dem Amtschef der Lehrabteilung der Kongregation für die Glaubenslehre, Am wichtigsten war der Hinweis: Die von uns angestrebte Lösung setzt voraus, dass der Katechismus der Katholischen Kirche akzeptiert wird. Darüber wird nun intern beraten. Als Folgerung aus diesem Gespräch werden wir in Kürze einen Brief an den Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, mit der Bitte um einen entsprechenden Dialog richten.

19. Februar 2012

Evangelisch-katholisch werden geht jetzt!

Evangelisch-katholisch werden geht jetzt!.

18. Februar 2012

Mühen auf unserer Ebene

zu Post 8In seinem Kommentar zu dem Beitrag „Evangelische-katholisch werden geht jetzt“ hatte Georg R. zutreffend angemerkt, „Anglicanorum coetibus“ sei im Prinzip eine gute Sache, aber in der Praxis, nämlich auf der diözesanen Ebene in England, hapere es. Das kann ich aus evangelischer Sicht und für deutsche Verhältnisse nur bestätigen. Beispielsweise hatten der Bund für evangelisch-katholisch Einheit und die St. Jakobus Bruderschaft mit einer Glaubenserklärung, die seinerzeit von Kardinal Ratzinger und Kardinal Kasper vollinhaltlich gebilligt worden war, die offizielle Zulassung zu den Sakramenten der katholischen Kirche als einen ersten vertrauensbildenden und beispielgebenden Schritt zur vollen Einheit hin erbeten. Das war ja weit mehr als das berühmte Armen, das nach der bekannten Formel von Kardinal Schönborn, die auch Kardinal Kasper mehrfach zitiert hat, ausreichen soll, wenn man es zum Hochgebet der katholischen Messe sprechen kann, um kommunizieren zu dürfen. Kardinal Kasper bestätigte nun kürzlich nochmals in einem Vortrag [*]: „Wir brauchen für begründete Einzelfälle Zwischenlösungen. Wir können nicht alle zur Kommunion einladen, wie die evangelische Kirche das im Unterschied zu früher heute tut. Die Eucharistie ist wie alle Sakramente ein Sakrament des Glaubens. Eucharistische Gemeinschaft setzt also von ihrem Wesen her Glaubensgemeinschaft voraus. Das ist eine Frage, die nur im Einzelfall entschieden werden kann. Die Einzelfälle sind so vielfältig, dass eine Lösung auf universal-kirchlicher Ebene kaum möglich ist. Die Lösung muss daher auf ortskirchlicher Ebene gesucht werden. Das hat der Vorsitzende der Ökumene-Kommission der DBK unter Berufung auf Aussagen von Papst Johannes Paul II. mehrfach öffentlich gesagt, und faktisch geschieht das ja auch. Ich verstehe also die ganze Aufregung um diese Frage nicht“. Das erinnert mich an den Titel des bekannten Romans von Erich Loest: „Es geht seinen Gang oder Mühen in unserer Ebene“. In unserer Ebene war ein Diözesanbischof für unser Anliegen sofort aufgeschlossen. Nach der nächstfolgenden Sitzung der Deutschen Bischofskonferenz war das Thema aber vom Tisch. Die in die katholische Einheit strebenden Anglikaner machen derzeit mit nationalen Bischofskonferenzen ähnliche Erfahrungen. Den Unterschied zwischen Theorie und Praxis, der auf der Ebene der Bischofskonferenzen auftritt, zu überwinden, ist eine der wichtigsten ökumenischen Aufgaben. Gewiss, in Rom geht es seinen Gang, aber die Mühen in unsere Ebene sind immer noch eine andere Sache. [*KNA/ÖKI 6, 7. 2. 2012, Dokumentation]

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5. Januar 2012

Kardinal Koch zur Ökumene

zu Post 7Kardinal Koch: „Ökumene als Teilhabe am hohenpriesterlichen Gebet Jesu“

Der neue Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, hat im Mai vorigen Jahres die Ökumene mittels einer Exegese des Abschiedsgebets Jesu im 17. Kapitel des Johannes-Evangeliums beschrieben, wo Jesus seinen göttlichen Vater für seine Jünger bittet, „dass sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast" (Vers 21). Dieses Gebet zeige zunächst, dass Jesus seinen Jüngern die Einheit nicht befiehlt oder sie von Ihnen verlangt, sondern dass er dafür bete. Das Gebet für die Einheit der Christen sei der entscheidende Schlüssel aller ökumenischen Bemühungen. Wir stünden hier, mit einem Wort Augustins, vor Gott als Bettler. „Es gibt natürlich auch seltsame Bettler, die sich so benehmen, als wären sie reich, die stolz sind und trotzig; sie haben nichts von ihrer Bettelei, denn sie heucheln. Solche Bettler sind schließlich törichte und lächerliche Figuren. Ebenso ist es mit Christen, die vorgeben, sie bräuchten keine Einheit als Geschenk Gottes und die deshalb auch nicht für sie zu Gott beten. Sie sind Karikaturen ihrer selbst, denn obwohl sie nur verkleidete Bettler sind, benehmen sie sich wie Millionäre, aber natürlich vergeblich".

Ein zweiter Gesichtspunkt liege in den Worten: „Sie sollen eins sein wie wir eins sind, ich in dir und du mir". Die Einheit der Christen habe ihr Fundament in der trinitarischen Einheit und Liebe zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Es sei zugleich das Bild für die Einheit der Christen und der Kirche. In der göttlichen Trinität bestehe nämlich „eine wunderbare Verschiedenheit von Personen. Aber in Gott gibt es auch eine wundervolle Einheit göttlichen Lebens. Der dreifaltige Gott ist in sich selbst lebende Gemeinschaft in der ursprüngliche Beziehung von Einheit in Liebe… die Kirche kann nur bestehen und Ökumenismus kann nur dann ein Abbild der göttlichen Trinität werden, wenn in einem Prozess der Reinigung und Versöhnung die kirchentrennenden Differenzen überwunden werden und sie dann in einer versöhnten Verschiedenheit leben können“.

Ökumene könne aber nicht eine nur unsichtbare Einheit sein, sondern müsse eine sichtbare Form annehmen. Dafür reiche es natürlich nicht aus, dass die verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften einfach sich gegenseitig als Kirchen anerkennen [vgl. das Modell „Leuenberger Konkordie“. H. K.]. Damit würde die eine Kirche zu einem Phantom. Es fehlte ihr ein entscheidender Teil, nämlich die sichtbare Gemeinschaft des Glaubens, der Sakramente und des kirchlichen Amtes. Wenn die Gemeinschaft der Christen das dreifaltige Leben Gottes widerspiegeln solle, könne sie nur bestehen als Einheit in Vielfalt und Vielfalt in der Einheit. Um es mit den Worten von Blaise Pascal zu sagen: „Einheit ohne Verschiedenheit ist Tyrannei, Vielfalt ohne Einheit ist Chaos“. Dass Jesus für die Einheit unter den Jüngern bete, „damit die Welt glauben kann dass du mich gesandt hast", bedeute, die Einheit der Christen sei nicht Selbstzweck, sondern sie habe der Glaubwürdigkeit der Botschaft Jesu Christi und seiner Kirche in der Welt zu dienen. -

Diese Ausführungen sind vielen ins Stammbuch geschrieben, Katholiken wie Evangelischen. Beispielsweise einigen katholischen Bischöfen, die immer noch glauben, wer die Einheit wolle, möge doch einfach konvertieren, also römisch-katholisch werden. Oder manchen evangelischen Bruderschaften, die glauben, weil sie eine reiche Liturgie, schöne Stundengebete und apostolische „Weihen“ haben, seien sie katholisch genug und könnten dort bleiben, wo sie sind. Aber auch deutschen Pastoren, die (grundlos!) fürchten, bei Kirchenwechsel ihre garantierten Pensionsansprüche zu verlieren, von denen Anglikaner, die den Mut haben, unter Bewahrung ihrer Traditionen in die Einheit der Kirche einzutreten, nur träumen können.

[Quelle: Informationsdienst des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen Nr. 136 (2011/I), englische Ausgabe. Übs. v. mir. Zu der unbegründeten Furcht deutscher Pastoren vgl. meine Website www.knochedrhannover.de/Seite10: Nachversicherung ]

Hansjürgen Knoche

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3. Januar 2012

Die Apostolische Konstitution “Anglicanorum coetibus”–Weg zur Einheit

zu Post 6Um zu verstehen, wie ich mir den Weg zur Einheit der Christen vorstelle, zunächst etwas über die Apostolischen Konstitution „Anglicanorum coetibus“. Das Dekret über die Einheit der Christen des II. Vatikanischen Konzils kannte als Weg zur Einheit der Christen nur die Einigung mit ganzen Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften. Übereinstimmend mit vielen Fachleuten sage ich: das war eine Utopie. Nach 50 Jahren Arbeit auf dieser Ebene hat sich eine riesige Sammlung von Konsensdokumenten ergeben, die noch offenen Fragen würden aber weitere 50 Jahre Arbeit erfordern. Die Bereitschaft dazu ist bei den nicht katholischen Kirchen gleich Null. Sonst gab es nur Einzelkonversionen, die als persönliche Gewissensentscheidung immer zu respektieren sind, aber das Problem der christlichen Spaltung nicht lösen können. Die Spaltung ist aber nach dem Neuen Testament nicht nur Sünde, sondern eine Perversion. Die Kirche wird als Braut und Leib Christi bezeichnet. Christus hat das Verhältnis zu seiner Kirche mit der Ehe verglichen. Er kann weder mit mehreren Leibern noch polygam gedacht werden. Darauf laufen aber alle Auslegungs-Kunststücke hinaus, die eine Vielzahl echter „Kirchen“ rechtfertigen wollen.

Ein dritter Weg musste also gefunden werden. Darauf drängten schon Ende der Siebzigerjahre Anglikaner und Episkopalkirchler in den USA, die wegen der Weihe eines homosexuellen Bischofs, Frauenordination und anderer Abweichungen gemeinsam in die katholische Kirche eintreten wollten, aber unter Bewahrung ihrer eigenen Traditionen. Deshalb erließ die römischen Glaubenskongregation 1980 ein Dekret, das als geniale Weiterentwicklung des Konzils bezeichnet werden muss: Wenn Einzelne konvertieren, aber in einer Gruppe zusammen bleiben und ihre „corporate identity“ bewahren wollten, konnten sie ihre traditionellen Glaubensgüter in die Kirche einbringen und dort bewahren. Das hatte freilich nur geringen Erfolg, weil es auf den erbitterten Widerstand von Teilen der nordamerikanischen Bischofskonferenz stieß. (Eines der größten Einheitshindernisse bilden weltweit, auch in Deutschland, Teile der nationalen Bischofskonferenzen, die Angst vor jeder Neuentwicklung haben. Dazu einer meiner nächsten Beiträge).

Nachdem sich nun aber die Anglikanische Gemeinschaft in voller Auflösung befindet und hunderttausende Anglikaner einen solchen Weg in die Einheit mit der katholischen Kirche suchen, hat der Papst die Apostolische Konstitution „Anglicanorum coetibus“ für den Eintritt traditioneller anglikanischer Gemeinschaften in die Einheit der Kirche vom 4. November 2010 erlassen. Das ist eine Rechtsquelle höchsten Ranges, nach kanonistischem Verständnis mit Verfassungsrang, über die sich keine Bischofskonferenz ohne weiteres mehr hinwegsetzen kann. Es ist inzwischen unbestritten, dass sie auch für ähnliche Bestrebungen evangelischer Gemeinschaften gilt. Sie bestimmt: Es werden Personalordinariate für Gemeinschaften eingerichtet, die in die Einheit der katholischen Kirche eintreten wollen (vor einigen Monaten schon in England geschehen, in den USA eben jetzt zum Jahresanfang). Sie unterstehen direkt der Kongregation für die Glaubenslehre. Die „korporativ“ eintretenden Gruppen und alle einzelnen Mitglieder müssen sich zum Katechismus der katholischen Kirche bekennen.

Die Geistlichen, die in die katholische Kirche eintreten, können für die Weihen in der katholischen Kirche angenommen werden. Leiter des Ordinariats (Ordinarius) kann ein Geistlicher der eintretenden Gemeinschaft sein – auch wenn er verheiratet ist! In diesem Fall wird er nicht zum Bischof, sondern zum Priester geweiht, erhält aber alle Amtsbefugnisse des Ordinarius und kann weiterhin die bischöflichen Insignien führen. Auch verheiratete Amtsträger werden also aufgenommen und können weiter amtieren. Neue Priesterkandidaten unterstehen dem Zölibat. Ausnahmsweise und im Einzelfall können aber auch verheiratete Männer zugelassen werden. Die Laien müssen ein Bekenntnis zum Katechismus der Katholischen Kirche ablegen und in das Register des Ordinariats eingetragen werden. Mehr dazu in den nächsten Posts.

Mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für 2012

Hansjürgen Knoche

(Sie finden mein neuestes Buch zum Jahresanfang 2012 auf meiner Website www.knochedrhannover.de/buecher und einschlägige Aufsätze auf dieser Website unter /aufsaetze).

24. Dezember 2011

Ökumenische Feiertagslektüre

zu Post 5Dieses gerade neu erschienene Heft der im 50. Jahrgang erscheinenden ökumenischen Zeitschrift können Sie jetzt komplett auf meiner Website www.knochedrhannover.de lesen. Im Impressum finden Sie die Bestellmöglichkeit. Zurzeit drei solcher Hefte jährlich zum Gesamtpreis von nur 20 €!!

Inhalt: Für Naturrecht und Menschenwürde: Zur Rede Papst Benedikts im Bundestag. – Was uns Luther bedeutet: Zur Rede Papst Benedikts in Erfurt. – Die Kirche muss sich entweltlichen: Zur Rede Papst Benedikts Freiburg. – Protestantische Papstbelehrer und ein souveräner Papst. – Abnehmender Konsens: Pessimistische Lagebeurteilung durch Ökumeneinstitut. – Kardinal Koch, der neue Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, zur ökumenischen Lage: Vom Protestantismus wird nun Entscheidung gefordert. – Verleugnung von Schrift und Bekenntnis: Die Diskussion um homosexuelle Paare im Pfarrhaus. – Das Konsensdokument „Die Apostolizität der Kirche". – Warum immer nur schwarzer Talar? – Die Deutung der Offenbarung des Johannes durch den großen Naturwissenschaftler Bernhard Philberth.

Ich wünsche frohe Feiertage und ein gutes, von Gott behütetes Neues Jahr.

21. Dezember 2011

Christen müssen endlich einig werden

zu Post 4Wenn Sie sich ebenso wie ich darüber ärgern, dass die Kirchen keine praktischen Konsequenzen aus der Flut der angesammelten theologischen Konsenspapiere ziehen, dann sollten wir darüber sprechen, was wir dagegen tun können. Wir brauchen Einigkeit und Einheit, aber keine Einförmigkeit! Wir leiden an der zerstörten Einheit der Kirche. Viele haben darüber den Glauben verloren. Deshalb streben ernsthaft glaubende Christen zur Einheit in der Wahrheit zurück, aber zu einer Einheit, die eine angemessene Mannigfaltigkeit zulässt. Es geht um Einigkeit in versöhnter Verschiedenheit. Diese Einheit ist der Kirche von Christus eingestiftet worden. Die „Kirchen“ sind eigentlich nur getrennte Konfessionen, die alle in die eine, heilige, allgemeine (= „katholische“) und apostolische Kirche hinein gehören. Daher ist der Begriff „eine heilige katholische Kirche“ (una sancta catholica ecclesia), wie er seit dem zweiten Jahrhundert in allen unseren gemeinsamen Glaubensbekenntnissen gebraucht wird, kein Konfessionsbegriff. Katholisch (= allgemein-christlich) ist nicht dasselbe wie „römisch-katholisch“! Es geht um die ökumenische Forderung „Einheit in der Wahrheit". Die Kirche hat diese eine und ungeteilte Wahrheit als Geschenk der Offenbarung bekommen, das bewahrt und weitergegeben werden muss. Die Kirchenleitungen tun sich sich jedoch schwer, die konfessionalistische Erstarrung zu überwinden. Sie müssen Druck vom Kirchenvolk bekommen! Wir müssen uns dafür sammeln. Dieser Blog will Informationen und Anregungen dazu geben.

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